Wissenswertes zu UNESCO-Biosphärenregionen: Funktionen und Kriterien

Neroberg Wald Wiesbaden; Quelle: cognitio

Eine Biosphärenregion ist eine Modellregion, in der das Zusammenleben von Mensch und Natur gemeinsam entwickelt und erprobt wird. Dabei werden alle drei Säulen der Nachhaltigkeit berücksichtigt: Ökologie (Umwelt), Ökonomie (Wirtschaft) und Soziales (Gesellschaft). Biosphärenregionen sind somit nicht in erster Linie Schutzgebiete sondern vor allem Regionen, die beispielhaft zeigen, wie wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Entwicklung in Einklang gebracht werden können. Die Anerkennung einer Region als „Biosphärenregion“ erfolgt durch die UNESCO. In Deutschland hat die UNESCO bislang 16 der insgesamt 17 Biosphärengebiete anerkannt, weltweit sind es 669 UNESCO-Biosphärengebiete in 120 Ländern (Stand: Juli 2018). 

Funktionen von Biosphärenregionen

Um zu entscheiden, welche Regionen für besonders repräsentative Landschaftsräume stehen und damit die UNESCO-Anerkennung erhalten, hat die UNESCO Internationale Leitlinien definiert. 

Nach den Internationalen Leitlinien fallen Biosphären die Aufgaben zu, biologische Vielfalt zu erhalten und den Weg einer nachhaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zu gehen sowie Umweltbildung, Forschung und Umweltbeobachtung zu fördern.   

Nach den Internationalen Leitlinien für das Weltnetz haben Biosphärenreservate konkret folgende Funktionen (UNESCO 1996):

  1. Schutz: Beitrag zur Erhaltung von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt; 
  2. Entwicklung: Förderung einer wirtschaftlichen und menschlichen Entwicklung, die soziokulturell und ökologisch nachhaltig ist; 
  3. Logistische Unterstützung: Förderung von Demonstrationsprojekten, Umweltbildung und -ausbildung, Forschung und Umweltbeobachtung im Rahmen lokaler, regionaler, nationaler und weltweiter Themen des Schutzes und der nachhaltigen Entwicklung.

Kriterien für die Anerkennung von Biosphärenregionen durch die UNESCO

Ob eine Region als Biosphärenregion in Frage kommt, wird vom Nationalkomitee des UNESCO-Programms „Mensch und die Biosphäre“ (MAB - Man and the Biosphere) evaluiert. Das Programm ist das weltweit wichtigste Instrument, eine dauerhaft umweltgerechte Nutzung von Natur modellhaft zu entwickeln, zu erproben und umzusetzen – mit dem Ziel der Zukunftssicherung der menschlichen Gesellschaft. Über das Programm sind alle UNESCO-Biosphärengebiete weltweit vernetzt. 

Für die Bewertung der deutschen Gebiete hat das MAB-Nationalkomitee Kriterien aufgestellt. Im Antrag müssen die globale Bedeutung und der Beitrag des Gebietes für das weltweite Netzwerk deutlich werden. Eine Zonierung in Kern-, Pflege- und Entwicklungszone muss gewährleistet sein.

Wichtige Kriterien bzw. Voraussetzungen sind: 

  • Unterstützung vor Ort (von Bevölkerung, Interessensvertretern, Politik)
  • Repräsentativität (besondere Alleinstellungsmerkmale der Region)
  • Zonierung (Mindestgröße von 300 Quadratkilomentern mit Unterteilung in Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone)
  • Nachhaltigkeitsvision (Strategien für nachhaltige Entwicklung)
  • Rechtliche Anerkennung und Betreuung 

Auf der Website der deutschen UNESCO-Kommission sind die Kriterien jeweils beschrieben: Zur Erläuterung der Kriterien 

Das MAB-Nationalkomitee empfiehlt vor Antragstellung zu klären, ob das zur Diskussion stehende Gebiet grundsätzlich geeignet ist. Das wird in der Region Rheingau – Wiesbaden – Main – Taunus aktuell über die Machbarkeitsstudie erörtert.

Mehr Informationen?

Die Website der deutschen UNESCO-Kommission gibt einen sehr guten Überblick über Biosphärenregionen: Informationen der UNESCO 

Einen anschaulichen Kurzfilm zu Biosphärenregionen finden Sie auf Youtube: Zum Video