Hintergrund und Zielsetzung von Machbarkeitsstudie und Beteiligungsprozess

Lorch Oberes Mittelrheintal, Quelle: cognitio

Im Jahr 2017 haben der Hessische Landtag, die Stadtverordnetenversammlung Wiesbaden sowie die Kreistage Rhein-Taunus und Main-Taunus beschlossen, in einer Machbarkeitsstudie mit integriertem Beteiligungsprozess zu prüfen, ob eine Biosphärenregion bei uns – also in den Regionen Rheingau, Wiesbaden, Main und Taunus - sinnvoll wäre. 

Hintergrund der Idee einer Biosphärenregion bei uns

Die meisten Biosphärenregionen in der Welt befinden sich in ländlichen Gebieten. Nur wenige Städte – darunter Brighton in Südengland, Wien in Österreich und Turin in Italien - sind bisher Teil von Biosphärenregionen. Eine Stadt in Deutschland ist nicht dabei. Dabei haben städtische Regionen eine wichtige Rolle beim Erhalt der biologischen Vielfalt der Erde, schließlich wohnen die meisten Menschen der Erde in Ballungsräumen. Das MAB-Nationalkomitee der UNESCO ist auf der Suche nach Regionen, die im weltweiten Netz der UNESCO-Biosphärenregionen modellhaft für unterschiedliche Landschaftsräume stehen. In der dynamisch wachsenden Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main mit 5,7 Millionen Einwohnern liegt die Teilregion Rheingau - Wiesbaden - Main - Taunus. Die Kombination aus Stadt, Wald, Fluss und traditionellem Weinbau könnte einen modellhaften Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung in der Beziehung von Mensch und Natur leisten.

Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz prüft daher nun in Abstimmung mit den Landkreisen Rheingau-Taunus und Main-Taunus sowie der Stadt Wiesbaden in einer Machbarkeitsstudie mit integriertem Beteiligungsprozess, ob eine Biosphärenregion im Gebiet der beiden Landkreise Rheingau-Taunus und Main-Taunus sowie der Stadt Wiesbaden formal möglich ist und eine breite Unterstützung in der Region findet. 

Grundlage für die Machbarkeitsstudie sind konkret folgende Beschlüsse: 
•    22.11.2017: Beschluss des Hessischen Landtags (sehen Sie sich auch das Video dazu bei Youtube an)
•    13.02.2017: Beschluss des Kreistages des Rheingau-Taunus-Kreises 
•    16.02.2017: Beschluss der Stadtverordneten-Versammlung der Landeshauptstadt Wiesbaden
•    12.12.2017: Beschluss des Kreistages des Main-Taunus-Kreises 

Geprüft wird folgendes Untersuchungsgebiet: 

 Cognitio, © GeoBasis-DE / BKG 2018

 © GeoBasis-DE / BKG 2018

Zielsetzungen des Prozesses

Zu Beginn des Prozesses steht zunächst eine fachliche Voruntersuchung zur Frage, ob die Region Rheingau – Wiesbaden –Main – Taunus überhaupt formal die von der UNESCO festgelegten Kriterien für Biosphärenregionen erfüllen kann. Eine erste fachliche Aussage hierzu bildet die Grundlage für den weiteren Prozess. Die erste Frage lautet also zunächst:

Über die Klärung der formalen Machbarkeit hinaus stehen darauf aufbauend folgende Fragen im Zentrum des Analyse- und Beteiligungsprozesses: 

  • Welche Chancen und Risiken werden mit Blick auf eine Biosphärenregion gesehen? Wie bewerten die Menschen in der Region die Idee einer Biosphärenregion in der Region? (Anknüpfung zum Kriterium „Unterstützung vor Ort“)
  • Welche regionalspezifischen Schwerpunkte könnten gesetzt werden? Wo liegen die Alleinstellungsmerkmale der Region? (Anknüpfung zum Kriterium „Repräsentativität“)
  • Wie könnte die Unterteilung der Region in Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone konkret aussehen? (Anknüpfung zum Kriterium „Zonierung“)
  • Welche Ideen gibt es für die zukünftige strategische nachhaltige Entwicklung der Region? (Anknüpfung zum Kriterium „Zukunftsvision“)
  • Wie könnte die Biosphärenregion zukünftig verwaltet werden und was gilt es dabei zu beachten? (Anknüpfung zum Kriterium „Rechtliche Anerkennung und Betreuung“)

Die Studie wird in einem transparenten Prozess auf Grundlage des Kriterienkatalogs der UNESCO für Biosphärenreservate erstellt. Um die oben genannten Fragen zu beantworten, ist die Einbindung aller relevanter Akteure maßgeblich. In einem breit angelegten Beteiligungsprozess werden die relevanten gesellschaftlichen Gruppierungen in der Region, Vertreter der Landkreise, Kommunen, Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft, Interessenverbände und zivilgesellschaftliche Gruppen umfassend eingebunden. Mehr Informationen zu den Zielgruppen: Akteure und Prozessbeteiligte - Wer ist wie involviert? 

Ergebnis des Prozesses ist die Machbarkeitsstudie. Diese wiederum dient als Grundlage für die Entscheidung der politischen Gremien, ob ein Antrag bei der UNESCO für die Anerkennung der Region als Biosphärenregion gestellt werden soll.

Mehr Informationen?

Auf der Website des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz finden sich weitere Informationen zum Vorhaben: Informationen des Hessischen Umweltministeriums