Biosphärenregion – ist das was für uns?

Biosphärenregionen sind von der UNESCO initiierte Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Was meinen Sie – wäre das auch etwas für die Regionen Rheingau, Wiesbaden, Main und Taunus? Zu dieser Frage hat das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zusammen mit  den Landkreisen Rheingau-Taunus und Main-Taunus sowie der Stadt Wiesbaden eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die Machbarkeitsstudie soll ergebnisoffen klären, ob eine Biosphäre in der Region überhaupt formal möglich wäre - also ob die Region die Kriterien der UNESCO erfüllt, ob die Idee breite Unterstützung in der Region findet und wenn ja, wie eine solche Biosphärenregion konkret aussehen könnte. Ganz wichtig bei der Erstellung der Studie ist die intensive Beteiligung der in der Region lebenden und arbeitenden Menschen und Akteure. Sie wollen mehr wissen? Informieren Sie sich auf dieser Seite über den Prozess und Ihre Beteiligungsmöglichkeiten. 

Informations-Artikel

Kurz erklärt

Was ist eine Biosphärenregion?

Eine Biosphärenregion ist eine international repräsentative Modellregion für nachhaltige Entwicklung. Die Bezeichnung wird von der UNESCO an Regionen verliehen, die besonders charakteristisch für eine nachhaltige regionale Entwicklung, den Erhalt von Lebensräumen und der biologischen Vielfalt stehen.

UNESCO-Biosphärenregionen schützen nicht nur wertvolle Ökosysteme, sie stellen auch eine Verknüpfung von Natur und Landschaft mit den Menschen dar. Die Biosphärenregionen ermöglichen, fördern und fordern nachhaltiges Wirtschaften und ein tragfähiges gesellschaftliches Zusammenleben. Das tun in Deutschland schon 16 Regionen, in der Welt sind es 669 Regionen. (Stand: Juli 2018)

Einen Kurzfilm zu Biosphärenregionen finden Sie auf Youtube: Zum Video
Mehr Informationen auch unter Wissenswertes zu Biosphärenregionen

Was bedeutet "Machbarkeitsstudie"?

In einer Machbarkeitsstudie wird ein Vorhaben – wie der Name schon sagt - auf seine Machbarkeit hin geprüft. Im Falle der Machbarkeitsstudie für eine Biosphärenregion bedeutet das, dass geprüft wird ob die Region Rheingau – Wiesbaden – Main – Taunus als Biosphärenregion geeignet wäre. In der Machbarkeitsstudie wird ergebnisoffen geprüft, ob eine Biosphäre in der Region überhaupt formal möglich wäre - also ob die Region die Kriterien der UNESCO erfüllt, ob die Idee breite Unterstützung in der Region findet und wenn ja, wie eine solche Biosphärenregion konkret aussehen könnte. Mehr Infos: Informationen zu Hintergrund und Zielsetzungen des Prozesses

Warum eine Biosphärenregion bei uns?

Ob eine Biosphärenregion in unserer Region machbar und sinnvoll wäre, wird aktuell in der Machbarkeitsstudie geprüft. Grundsätzlich bieten Biosphärenregionen die Chance, Wege nachhaltiger Entwicklung zu erproben und dabei in einem weltweiten Netz von Biosphärenregionen mitzumachen und voneinander zu lernen. Biosphärenregionen sollen sämtliche Landschaftstypen der Welt beispielhaft abbilden. Überall auf der Erde wissen dann zukünftige Generationen, wie ein nachhaltiger Entwicklungsweg aussehen kann.

Untersuchungen der deutschen Biosphärenregionen haben ergeben, dass städtische Bereiche bisher nicht vertreten sind. Es ist daher die Kombination aus Stadt, Wald und Weinbau,vernetzt durch Flüsse und Bäche, mit der unsere Region einen modellhaften Beitrag im weltweiten Netz leisten könnte. Für dynamisch wachsende Metropolregionen wie unsere gibt es demnach noch keinen erprobten nachhaltigen Weg in die Zukunft.

Eine Biosphärenregion könnte uns die Chance bieten, in der Region Rheingau – Wiesbaden – Main – Taunus eine zukunftsgerichtete Einheit aus Stadt und Land zu schaffen, in der jeder vom anderen profitiert. So könnte unser Natur- und Kulturerbe dauerhaft erhalten werden.

Wie sieht der Weg zu einer Biosphärenregion aus?

Der Weg hin zu einer Modellregion für nachhaltige Entwicklung ist eine Herausforderung. Er erfordert Mut, neue Richtungen einzuschlagen und den Willen der Bevölkerung, diese mitzugehen. Doch allein der Wille ist nicht ausreichend. Schon für die Antragstellung bei der UNESCO müssen zentrale Kriterien erfüllt werden.

Die Region muss Landschaften umfassen, die in anderen deutschen Biosphärenregionen nicht oder kaum vorhanden sind. Natur, Kultur und Gesellschaft müssen für eine beispielhafte nachhaltige Entwicklung geeignet und bereit sein. Außerdem muss sich die Region verpflichten, eine Kernzone von mindestens 3 % der Fläche auszuweisen. Sie muss gewährleisten, dass Kern- und Pflegezone zusammen mindestens 20 % ausmachen und rechtlich gesichert werden. Die Machbarkeitsstudie prüft, ob dies möglich ist. Die Prognosen für die grundsätzliche Eignung der Region Rheingau – Wiesbaden – Main – Taunus sind grundsätzlich gut. Es gibt Lücken im weltweiten und deutschen Netz der Biosphärenregionen, die gefüllt werden könnten und für deren nachhaltige Entwicklung die Region eine globale Verantwortung übernehmen könnte. Für Kern- und Pflegezone verfügt die Region über viele geeignete Flächen in der ausgedehnten Waldlandschaft, die zum Teil bereits sich selbst überlassen und geschützt sind.

Der Beteiligungsprozess wird zeigen, ob wir eine Biosphärenregion wollen und die Themen für unsere Zukunft bestimmen wollen. Die Parlamente der Kommunen entscheiden dann abschließend, ob ein Antrag bei der UNESCO für die Anerkennung der Region als Biosphärenregion gestellt werden soll. Die Antragstellung übernimmt das Land Hessen. Die UNESCO entscheidet auf Empfehlung des deutschen MAB-Nationalkomitees. Nach einer Anerkennung stände der Region ein Prozess bevor, aus dem ein abgestimmtes Rahmenkonzept für das zukünftige Handeln entstehen würde.

Wie kann ich mich an der Machbarkeitsstudie beteiligen?

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger können sich an der Machbarkeitsstudie beteiligen. Ob mit Ideen zur möglichen Biosphärenregion oder mit Bedenken – alle Hinweise sind willkommen! Dafür werden im Verlauf der Machbarkeitsstudie vielfältige Gelegenheiten geschaffen: In jeder Phase des Prozesses gibt es eine Reihe von Beteiligungsmöglichkeiten. Zum Beispiel können Sie Ihre Meinung beim Online-Dialog abgeben oder zu einem der Bürgerforen kommen. Weiterhin werden Arbeitsgruppen eingerichtet, in denen Expertinnen und Experten sowie Interessvertreter und -vertreterinnen die Zwischenergebnisse der Machbarkeitsstudie vertieft diskutieren.

Weitere Informationen finden Sie unter Veranstaltungen. Abonnieren Sie auch den Newsletter, um Benachrichtigungen zu Veranstaltungen und Online-Dialogen zu erhalten.

Wie geht es nach der Machbarkeitsstudie weiter?

Die Machbarkeitsstudie ist ergebnisoffen. Es geht darum, das potentielle Gebiet der Biosphärenregion zu identifizieren und – gemeinsam mit den Akteuren in der Region – die Vor- und Nachteile konkret darstellen. Das wird die Grundlage sein, auf der sich voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 die zuständigen Gremien in der Region für oder gegen eine Antragsstellung bei der UNESCO zur Anerkennung einer Biosphärenregion entscheiden werden.

Woher kommt die Idee einer Biosphärenregion ursprünglich?

Die Biosphäre ist der Raum unserer Erde, in dem es Leben gibt. Wir Menschen sind die erste Art, die es geschafft hat, diese so zu verändern, dass wir nun selbst bedroht sind. Mit Klimawandel, Umweltverschmutzung und Artensterben stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen, die wir selbst lösen müssen und als erste Art auch können.

Die Erkenntnis, dass unsere biologische Vielfalt bedroht ist, ist nicht neu. Schon vor etwa 150 Jahren wurden die ersten Nationalparks gegründet, in denen Natur Natur sein darf. Später sah man ein, dass dies nicht ausreicht und biologische Vielfalt langfristig nur erhalten werden kann, wenn Nutzen und Schützen Hand in Hand gehen. Vor etwa 50 Jahren startete daher die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ein internationales Forschungsprogramm, das sich mit dem Verhältnis von Mensch und Natur (MAB – Man and the Biosphere) beschäftigen sollte. In Biosphärenregionen entstanden Orte der Forschung, Bildung und Umweltbeobachtung.

Seitdem auf dem „Erdgipfel“ 1992 in Rio de Janeiro die Völker der Erde ein Übereinkommen über die biologische Vielfalt verabschiedet haben, ist Nachhaltigkeit das Zauberwort. Nachhaltig zu leben, heißt so zu leben, dass soziale Gerechtigkeit mit wirtschaftlicher Sicherheit in Einklang gebracht wird, ohne das ökologische Gleichgewicht zu gefährden. In einem repräsentativen weltweiten Netz von Biosphärenregionen werden konkrete Beispiele in die Praxis umgesetzt, um neue und dauerhaft tragfähige Umgangsformen des Menschen mit der Natur zu entwickeln. Bürgerinnen und Bürger auf der ganzen Erde sind so zu wichtigen Akteuren geworden, die mit dem Ziel leben und wirtschaften, ihre natürliche Umgebung zu bewahren.

Wozu gibt es diese Online-Plattform?

Auf dieser Online-Plattform können Sie sich über den Fortschritt der Machbarkeitsstudie und über bevorstehende oder vergangene Veranstaltungen informieren. Sie dient sozusagen als virtuelles Gedächtnis des Beteiligungsprozesses zur Machbarkeitsstudie.

Über die Online-Plattform können Sie sich in bestimmten Zeiträumen außerdem aktiv mit Beiträgen zur Machbarkeitsstudie äußern. Abonnieren Sie den Newsletter, um benachrichtigt zu werden, wenn ein Online-Dialog gestartet wird.

Ablauf von Machbarkeitsstudie und Beteiligungsprozess